Wie du erkennst, dass dein Sattel wirklich passt

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Es gibt einige Merkmale, die du ganz einfach selbst an deinem Sattel und bei deinem gesattelten Pferd überprüfen kannst. Damit du weißt, dass dein Sattel wirklich passt und woran du erkennst, wenn du deinen Sattler noch mal drauf schauen lassen solltest, möchten wir dir hier einige Merkmale genauer erklären.

Die Kurzanleitung zur Sattelüberprüfung auf dem Pferd:

  • Schwerpunkt der Sattellage des Pferdes mit Schwerpunkt des Sattels vergleichen
  • Schulterfreiheit überprüfen
  • Lage Kopfeisen feststellen
  • Größe des Kopfeisens überprüfen
  • Kissenkanal und Kissenauflage analysieren
  • vorgesehene Gurtung bewerten
  • Sattel mit Reiter auf gleiche Faktoren hin beurteilen

Den Sattel auf dem Pferd überprüfen

Die wichtigsten Schritte, um zu überprüfen, wie gut der Sattel auf deinem Pferd liegt.

Den Schwerpunkt des Pferdes ermitteln

Wenn du schon einmal ohne Sattel geritten bist, weißt du, dass dein Pferd dich gerne dort hinsetzt, wo es für es am besten ist – nämlich in den Schwerpunkt. Genau an dieser Stelle muss auch der Schwerpunkt des Sattels liegen, dort wo das Reitergewicht liegt. Diesen Schwerpunkt kann man bei einigen Pferden sehr gut mit bloßem Auge auf dem ungesattelten Rücken erkennen, bei anderen Pferden – und auch bei unseren drei Ponys – ist das mit einer einfachen Messregel besser durchführbar.

Gehe mit deiner Hand von der Sattellage mit leichtem Druck nach vorne. Du wirst mit deiner Hand gegen das Schulterblatt deines Pferdes stoßen. Von diesem Punkt aus gehst du wieder zurück zur Sattellage, ca. 18 – 20 cm, je nach Größe deines Pferde oder Ponys. Nach diesem Abstand hast du den Mittelpunkt deines zukünftigen Sattels erreicht. Nun musst du nur noch deine Hand senkrecht nach oben führen, bis du auf der Sattellage deines Pferdes angekommen bist.

Zusammengefasst ist der Schwerpunkt der Sattellage hier zu finden:

  • Hinteres Schulterblattende finden – das geht am einfachsten, indem du von der Sattellage mit zwei Fingern und leichtem Druck nach vorne Richtung Kopf fährst
  • Vom Schulterblatt aus ziehst du auf deinem Pferd eine horizontale Linie Richtung Schweif ca. 20 cm
  • An diesem Punkt senkrecht nach oben
  • Hier befindet sich in etwa der Schwerpunkt der Sattellage

Überprüfe, ob der ermittelte Schwerpunkt deines Pferdes mit dem Schwerpunkt deines Sattels übereinstimmt. Sehr oft liegen die Schwerpunkte der Sättel zu weit hinten. Dann wird dein Pferd Schwierigkeiten haben im Training mitzuarbeiten, da es den Rücken nicht gut aufwölben kann.

Schulterfreiheit

Wenn der Sattel nun auf deinem Pferd liegt, fahre mit der Hand direkt unter der Pausche und am Schulterblatt deines Pferdes entlang. Wenn du einen Dressursattel hast, sollte dein Sattel hinter der Schulter liegen und diese nicht einengen oder behindern. Hast du einen Vielseitigkeitssattel oder einen Springsattel, dann kann die Pausche deines Sattels auch auf der Schulter liegen.

Wenn die Pausche auf der Schulter liegt, musst du überprüfen, ob diese flexibel genug ist, damit sich die Schulter darunter noch ungehindert bewegen kann. Wird dein Pferd an der Schulter eingeengt, kann es sein, dass du dies merkst, da sich der Raumgriff verändert und die Schritte kürzer werden.

Biege also die Pausche des Sattels und imitiere damit die Bewegung der Schulter. Ist die Pausche sehr steif und lässt sich dadurch fast nicht verformen, kann das für dein Pferd hinderlich sein.

Lage des Kopfeisen

Wenn du noch mal gucken möchtest, was denn das Kopfeisen ist und wie genau dein Sattel aufgebaut ist, damit du besser verstehst, wie alles in deinem Sattel zusammenhängt, dann guck dir unseren Beitrag über den Aufbau des Sattels an: Wie ist mein Sattel aufgebaut?

Hebe das Sattelblatt an und sieh im oberen, vorderen Bereich unter dem Sattelblatt nach der kleinen Kopfeisentasche. Bei manchen Sätteln ist diese einfacher und schneller zu sehen als bei anderen. Das Kopfeisen sollte im geraden Verlauf direkt zum Boden zeigen.

Zeigen die Enden deines Kopfeisens nach vorne oder nach hinten kann dies zu Problemen führen, da das Kopfeisen den meisten Druck während des Reitens ausgleichen muss. Dies kann ein Kopfeisen am besten in der geraden, aufrechten Position.

Größe des Kopfeisens

Mittels einfacher Schablonen kannst du die Größe, die deinem Pferd passt, selbst bestimmen und so viel zu große oder viel zu kleine Kopfeisen von vornherein ausschließen. Für eine genaue Anleitung, wie du das machst, haben wir einen extra Artikel zum Ausmessen deines Pferdes geschrieben.

Wenn das Kopfeisen zu groß, ist rutscht der Sattel mit dem Sattelbaum direkt auf den Widerrist deines Pferdes. Manche liegen dann sogar auf, was zu Druckstellen auf dem Widerrist führen kann. Einige Pferde bekommen dadurch weiß verfärbte Haare am Widerrist, das hast du sicherlich schon mal gesehen. Legst du den Sattel auf, kommt es dir so vor, als ob das Sattelblatt nun nicht mehr gerade ist, sondern leicht nach hinten zeigt.

Hast du ein zu kleines Kopfeisen, kann dies deinem Pferd ebenfalls unangenehme Druckstellen bereiten. Dann klemmt das Kopfeisen auf der Schulter deines Pferdes fest. Von außen sieht man, dass der Sattel nach hinten abfällt und vorne zu weit hochsteht. Wichtig ist hier wieder der Schwerpunkt.

Die Faustformel für das Kopfeisen ist daher zum einen die Größe selbst auszumessen sowie für eine ausreichende Kammerfreiheit zu sorgen. Mindestens zwei bis drei Finger Platz sollten zwischen dem Widerrist und dem Sattel bestehen. Dieser Abstand muss auch bestehen, wenn sich ein Reiter in den Sattel setzt!

Lege einfach eine Gerte auf den Sattel, diese wird im Mittelpunkt liegen bleiben und sollte mit dem von dir ermittelten Mittelpunkt der Sattellage deines Pferdes identisch sein.

Sattelkissen überprüfen

Wenn der Sattel auf deinem Pferd liegt, kannst du mit der flachen Hand unter dem Sattel hindurchfahren. Möglichst mit dem Fell und soweit, wie es möglich ist. Wir haben hier schon nur mit der bloßen Hand große Brücken unter einem Sattel gefühlt, die für dein Pferd eine unphysiologische Gewichtsverteilung beim Reiten darstellen.

Fühlen sich die Kissen weich an? Liegen Sie an allen Stellen gleichmäßig auf? Bekommst du deine Hand an manchen Stellen weiter unter das Kissen als an anderen Stellen?

Probiere auch das Sattelblatt anzuheben und bei gleichzeitigem Druck auf den Sattel zu den Kissen zu gucken und zu fühlen. Manchmal siehst du hier schon Licht durchscheinen, weil die Kissen so ungleichmäßig aufliegen.

Kissenkanal beurteilen

Die Sattelkissen sind nebeneinander mit Platz für die Wirbelsäule deines Pferdes angenäht. Wenn der Sattel aufliegt, gucke von hinten in den Kissenkanal – sind hier mindestens und durchgehend von vorne bis hinten vier Finger Platz? Gehe mit deiner Hand direkt im Kissenkanal an der Wirbelsäule deines Pferdes entlang, so lange, bis du mit dem Arm nicht weiter kommt. Hat die Wirbelsäule ausreichend Platz zwischen den Kissen?

Steige auf einen Stuhl und vergewissere dich, dass der Sattel gerade liegt und nicht durch eine schiefe Polsterung zu einer Seite wegrutscht. Hierbei kannst du von hinten den Hinterzwiesel beurteilen – ist der Mittelpunkt wirklich mittig?

Länge des Sattels und der Kissen analysieren

Der Rücken des Pferdes kann das Gewicht des Sattels nur in einem bestimmten Bereich tragen. Dieser Bereich endet ungefähr mit der 18. Rippe deines Pferdes. Der lange Rückenmuskel trägt den Sattel, dieser endet vor der Lendenwirbelsäule, die sehr empfindlich auf Druck reagiert.

Die 18. Rippe ertastet man sehr gut, wenn man von der Flanke mit leichtem Druck Richtung Rippen fährt. Die 18. Rippe ist nun in einem Bogen, der nach vorne verläuft, die Stelle, an der die Kissen in jedem Falle aufhören müssen.

Überprüfe die Länge deiner Sattelkissen: Bis zu welcher Stelle liegen die Kissen noch auf, ab wann laufen diese nach oben aus? Wie verhält sich diese Auflagefläche, wenn ein Reiter im Sattel sitzt? Auch dann müssen die Sattelkissen an der 18. Rippe enden.

Hinweise, dass dein Sattel deinem Pferd derzeit nicht passt:

  • Wenn du mit leichtem Druck gegen den Strich über die Sattellage fährst, drückt dein Pferd seinen Rücken weg.
  • Dein Pferd zeigt Sattelzwang.
  • Dein Pferd läuft ohne Sattel lockerer und schwingt besser im Rücken.

Die Gurtung des Sattels

Wenn du das Sattelblatt anhebst, erkennst du, wie dein Sattel gegurtet wird. Die Gurtstrupfen sollten geradeaus, befestigt am Sattelbaum, direkt nach unten weisen. Manche Gurtstrupfen sind jeweils vorne am Kopfeisen befestigt sowie hinten, sodass eine V-Gurtung entsteht. Diese ist nicht empfehlenswert. Unsere Erfahrung mit V-Gurtung ist, dass diese Sättel nur die falsche Passform kaschieren und dem Pferd nicht helfen.

Wenn der Sattel mit dem Gurt vorne als auch hinten in den Rücken gedrückt wird, kann es sein, dass dein Pferd sich mit dem Aufwölben des Rückens schwertut. Eine gerade Gurtung ist bei vielen Modellen bereits vorhanden. Auch wir haben schon – aus Unwissenheit – V-Gurtungen nachrüsten lassen. Der vormals wippende Sattel wippte dann zwar nicht mehr, aber das Pferd wollte nicht mehr unbeschwert vorwärtsgehen.

Den Sattel ohne Pferd überprüfen

Bevor du deinem Pferd den Sattel auflegst, kannst du ein paar Punkte vorab überprüfen.

Die Eckdaten abgleichen

Die Parameter, die du bei jedem Sattel vor Anprobe durch dein Pferd überprüfen kannst, sind:

  • Kammerweite
  • Sitzgröße
  • Art der Sattelkissen (Keil-/Bananen-/Französische Kissen/…)

Die Kammerweite kannst du bei deinem Pferd selbst nachmessen, damit du auf keinen Sattler mehr hereinfallen kannst, der dir einen viel zu kleinen oder viel zu großen Sattel andrehen möchte. Genauso verhält es sich auch mit der Sitzgröße. Diese bestimmt, wo dein Schwerpunkt hingesetzt wird. Ist die Sitzgröße für dich zu klein, kann es passieren, dass du zu weit hinten auf dem Hinterzwiesel sitzt.

Dennoch gilt die Regel, dass der Sattel zuerst deinem Pferd und dann erst dir passen muss!

Wenn du diese Daten hast, kann es an die Beurteilung des Sattels gehen:

  • Kissenkanal mit mindestens durchgehend vier Fingern Abstand
  • Abstand zum Widerrist aufrecht mindestens zwei oder drei Finger
  • Füllung der Sattelkissen ohne Knötchen
  • weiche Füllung der Sattelkissen – streiche mit der Hand hinüber und frage dich, würde ich das auf meinem Rücken haben wollen?
  • Gurtung geradeaus senkrecht zum Boden
  • Kopfeisen verläuft weder nach vorne noch nach hinten

Den Sattel mit Reiter beurteilen

Nachdem du weißt, ob der Sattel an sich Probleme aufweist und gut auf deinem Pferd liegt, kannst du jetzt Probereiten.

Sattel probereiten

Nachdem du den Sattel ohne Pferd und dann auf dem Pferd beurteilt hast, kannst du nun angurten.

Überprüfe, wie du mit der Hand vorne an der Schulter unter dem Sattelblatt hindurchfahren kannst. Ist dies ohne Probleme möglich oder wehrt sich dein Pferd? Tut es dir möglicherweise sogar weh und deine Hand wird schmerzhaft eingeklemmt?

Beim Angurten sollte dein Pferd in einem ruhigen und entspannten Zustand bleiben. Wenn es sich bereits jetzt gegen den Sattel wehrt, solltest du die bereits vorgestellten Schritte zur Beurteilung gewissenhaft wiederholen oder dich mit dem Thema Sattelzwang und der Frage, wie du deinem Pferd helfen kannst auseinandersetzen: Sattelzwang – Was kann ich tun?

Der Sattel beim Reiten

Probereiten solltest du Sättel immer ohne Satteldecke oder sonstige Korrekturpads. Nur dann kannst du sehen, ob der Sattel so passt, wie er ist. Zu dicke Unterlagen verfälschen diese Ansicht.

Folgende Punkte solltest du beim Reiten beurteilen:

  • Ist weiterhin genügend Platz zwischen Sattel und Widerrist? Mindestens zwei oder drei Finger
  • Wie verhält sich dein Pferd – läuft es verhalten oder ungern vorwärts? Bei diesem Punkt haben wir schon einige Fehler gemacht, weil wir das träge Vorwärtslaufen immer darauf geschoben haben, dass sich das Pferd ja erst mal an den neuen Sattel gewöhnen muss und später wird es dann schon besser laufen. Nein – es ist mit dem Sattel wie mit deinen Schuhen. Was beim Anprobieren schon unbequem ist, wird eher selten in der Zukunft zu deinen Lieblingsschuhen.
  • Wippt der Sattel beim Leichttraben? Immer wenn du aufstehst, dann rutscht der Sattel nach vorne auf den Widerrist und hebt sich hinten.
  • Rutscht der Sattel nach vorne oder nach hinten?
  • Jemand an der Bahn sollte beurteilen, ob du im Schwerpunkt sitzt oder zu weit hinten oder zu weit vorne.
  • Last but not least: Wie fühlt sich der Sattel für dich an? Bist du in der Sitzfläche eingeengt? Fühlst du Verspannungen? Kannst du deinem Pferd weiterhin sensible Hilfen geben oder stört dich das neue, dickere Sattelblatt?
  • Vervollständige diese Auflistung je nach Sattelart und Eigenart deines Pferdes / Ponys.

Der Sattel nach dem Reiten

Nach dem Reiten kannst du am Schweißbild erkennen, wo der Sattel auflag und wo nicht. Mit dieser Information kann dein Sattler die Polsterung insofern ändern, dass die Auflagefläche gleichmäßiger wird.

Sollte das dann direkt vor Ort auf dem Reitplatz erfolgen, solltest du misstrauisch werden. Unsachgemäß gestopfte Wolle kann Knötchen und Luftlöcher bilden, die sich dann deinem Pferd in den Rücken drücken und sich ungewollt setzen.

Die Entscheidung für oder gegen einen Sattel

Gemeinsam mit Reitlehrer / Osteopath und qualifiziertem Sattler triffst du am Ende die Entscheidung, ob dieser Sattel für dein Pferd die richtige Wahl ist. Wenn es möglich ist, solltest du den Sattel zum Testen behalten. Es zeigt sich manchmal erst nach einer Woche, ob der Sattel wirklich passt und wo genau etwas geändert werden muss.

Damit dein neuer Sattel dir lange Freude bereitet, ist es wichtig, über den Sitz eines Sattels informiert zu sein. Denn leider kann nicht jeder Sattel passend gemacht werden.

Wir finden es sehr wichtig, dass man als Besitzer / Reitbeteiligung / Reitschüler weiß, was ein unpassender Sattel dem Pferd für Beschwerden bereitet und wie du selbst siehst, wenn etwas nicht stimmt. Dein Pferd wird es dir danken!

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